Tag 22 – Fünf Sterne ohne Bedeutung …

Ich sitze in der klimatisierten Lobby des Mövenpick, ein riesiges 5-Sterne Haus, sehr geschmackvoll im lokalen Baustil gehalten mit direktem Blick aufs Tote Meer. Das Frühstück war reichhaltig, das Bett gross, die Dusche warm, die Toilette sauber, immer Strom, keine technischen Probleme am Horizont … Also alles Dinge die keine wirkliche Bedeutung haben und wir sicher nicht vermisst haben.
Im Grunde sogar schon fast pervers vor wenigen Tagen noch werbewirksam auf das Sterben dieses empfindlichen Ökosystems hingewiesen zu haben und gestern abend dann an dessen Ufer im Süsswasser Infinitypool zu schwimmen. Aber es war schön. 😉
Das Camp löste sich gestern langsam auf. Die wenigen Teams fuhren wie immer los, sobald alles verstaut war. Es war heiss inmitten einer Steinwüste ohne jeden Schatten. Auch wir packten ein letztes Mal ein. Das Team hat mittlerweile Verstärkung bekommen. Gudrun und Eva, Partnerinnen von Chris und Dario, begleiten uns die letzten Meter. Willi hatte sich am Vortag nochmal kräftig geschüttelt und uns einen grandiosen Sound geschenkt. Der Auspuff war hinter dem Mittelschalldämpfer gebrochen. Eine weitere Bodenwelle heute sorgte dann dafür, dass wir dieses Bauteil künstlerisch wertvoll auf dem Dach verzurren durften. Seitdem fühlen sich Jan und Uli wie auf einem HeavyMetal Konzert in der ersten Reihe. Unvorstellbar wir einige schweizer Kollegen es geschafft haben fast die ganze Tour mit einem solchen Sound zu fahren. Uns klingelten schon nach wenigen Stunden die Ohren.
Nach einigen langweiligen Kilometern auf der ausgebauten Landstrasse beschlossen wir die Tour müsse stilechter enden. Also nächste kleine Strasse links ab und aufmerksam den Wegesrand nach Stichstrassen absuchen, die nochmal Spass versprechen. Es passierte lange nichts, bis wir auf eine gut asphaltierte Strasse mit Blick auf Tote Meer trafen. Selbst auf ca 800 Metern über dem Meterespiegel stehend, sahen wir auf dieses Salzsee, dessen Oberfläche 400 Meter darunter liegt. Nebem diesen grandiosen Blick sahen wir aber auch mit unserem mittlerweile geschulten Blick einige Streifen in der Landschaft, die wir direkt als Trails erkannten. Wir nutzen die exponierte Position und versuchten uns vorzustellen wie man fahren müsse, um genau dort runter zu kommen. Vorsichtig rollte das Team weiter und schon nach wenigen hundert Metern fanden wir eine unscheinbaren Weg, der uns ins Paradies führte. gute 1000 Höhenmeter ging es in teils waghalsigen Serpentinen auf steinigem Pfad berab. Dazwischen Flachpassagen, die zum driften einluden. Wir bekamen das Grinsen nicht mehr von unseren Gesichtern. Manches Mal brüllte jemand ein euphorisches „Geiiiiiiil“ durchs Funkgerät. Ein würdiger fahrerischer Abschluss.
Abends assen wir bei lokaler Musik mit anderen bei immer noch über 30 Grad. Leider hatte den Jungs von der lokalen Band niemand gesagt, dass unsere Ohren sich zwar an Ihre Musik, nicht aber an die Lautstärke, gewöhnen können. SIe schrabberten auf ihren Instrumenten, der Sänger gab alles und die Verstärker waren über ihren Möglichkeiten. Wir waren kurz davor uns am Tisch via Whatsapp zu unterhalten. 😉
Ein letztes Mal heisst es…
Bis morgen
Eure Six Camels

Tag 21 – Warum leben in der Wüste Fliegen?

Gestern Abend wurde gegrillt und gespeist mit den „Otters“. Die Jungs sind echt spitze. Tiefenentspannt und offen für alles. Wir verstehen uns prima. Sie hatten einen lokalen Metzger als Sponsor gefunden, der Ihnen für jeden Tag ein tolles Gericht haltbar eingedost hat. Einige der Konserven haben wir dann gemeinsam gesprengt und mit viel Bier, Wodka und Gin abgelöscht.
Nach einer kurzen Nacht stand die letzte, aber auch härteste Wüstenetappe auf dem Programm. Es ging bei guten 30 Grad in eine staubige, aber vor allem steinige Landschaft, die uns viel fahrerrisches Können und Konzentration abverlangte. Wir hofften insgeheim auf einen Platten, um mitreden zu können, da es hiess es sei mörderisch für die Reifen. Da wir mit unseren 20 Jahre alten Winterrreifen für eine Wüstendurchquerung perfekt vorbereitet waren, durften wir sogar viermal den Wechsel üben. Der Letzte lief in fast Formel1-würdigen 4 Minuten.

Nach jedem Wechsel trafen wir auch hier auf eine ausserordentiche Gastfreundschaft. Wir stiegen wieder ein und ca. 1 Million Fliegen begrüssten uns mit heiterem Flügelschlag. Just in dem Moment wo wir sie wieder verabschieden durften, platzte der nächste Reifen und wieder hiess es „Nur Fliegen sind lästiger“.

Die Piste an sich war fantastisch. Die Aussicht grandios. Da wir uns auf Grund der Verhältnisse mit pfeilschnellen 8 km/h fortbewegten wechselten Rouven und Uli nach einem ersten Zwischenstopp auf die Dächer der Wagen. Der heisse Wind wehte uns um die Nasen, der Staub setzte sich in jede Pore als es begann zu regnen!!! Umgeben von Steinen, Sand und Weite sitzt man auf dem Dach eines Autos und kommt aus dem staunen nicht raus. Ist das alles echt passiert?

Da die kommunizierten Koordinaten nicht richtig waren, endete der Tag mit einem Nachtlager irgendwo im Nirgendwo. Ein grosses Lagerfeuer im Zentrum einer Wagenburg, alle 30 Gestrandeten kochen was aus Ihren Resten, singen, lachen… und plötzlich ein riesen Geknattere. Ein Team hatte sich eine Ölwanne zerfetzt, beim Versuch zu helfen passierte das gleiche einem andern Wagen. Was im normalen Leben wie eine Monsterkatastrophe 9klingt, schreit hier nur nach Lösungen. Reservereifen ans Heck montiert, einer schiebt, einer zieht und irgendwann kommt man halt 3 Stunden später an. Zeit ist hier sehr relativ. Und so gesellt sich neben Linsensuppe und Nudelsalat, zwischen Stühlen und Feuer ein alter Audi auf einer Rampe. Die einen essen, die anderen legen einen Spanngurt um den kompletten Motorblock und flicken so Ihre Ölwanne beim Abendessen.
Spontan ziehen wir die im Roadbook eigentlich für morgen vorgesehene Unterhosenverbrennung vor. Das alte Zeug brennt lichterloh.

Damit ist das letzte Kapitel der six-camels fast geschrieben. Morgen noch eine letzte kleine Etappe zum Hotel am Toten Meer, von der wir natürlich noch berichten werden, bevor wir dieses Kapitel schliessen.
Keine Spur von Trauer. Jeder wird seine Zeit brauchen das zu verarbeiten. Obwohl schon jetzt jeder mehr oder weniger unbewusst immer vom „nächsten Mal“ spricht. Die Vorstellung das Abenteuer endet morgen, ist gerade ebenso unvorstellbar wie die, nächstes Jahr nicht wieder auf Tour zu gehen.
Noch einmal im Auto schlafen…
Bis morgen
Eure Six Camels

Tag 20 – wieviele Eindrücke passen in einen Kopf?

Ungarn, Bulgarien, Rumänien, Türkei, Israel, seit gestern Jordanien. Emotionale Druckbetankung. Eindrücke die für Monate reichen in drei Wochen. Laune bestens, Autos schnurren, alle gesund – wenn nur das Ende nicht bevor stünde.
Wo waren wir stehen geblieben? Wir beschlossen abends noch die Radmuttern auf Gangbarkeit zu prüfen. Dario legte sich voll ins Zeug, rutschte bei der zweiten Mutter ab und hätte beinahe mit seinem Riechorgan die empfindliche Lackschicht unseres Boliden beschädigt. Glücklicherweise federte die Brille den ärgsten Schwung ab und so sah Darios Nase aus wie die Von Axel Schulz nach 12 Runden, aber der Willi blieb verschont.
Das Bierfest hatte uns ein wenig die Höcker verformt. Mehrere Liter der Köstlichkeit liessen vergessen, dass jeder zweite interessierte Gesprächspartner vom Geheimdienst war.
Der Morgen begann schon um halb8 da die Etappe nicht kalkulierbar war mit dem Grenzübertritt nach Jordanien. Zunächst rollten wir zum Toten Meer, passierten das Schild „300m below Sealevel“ und mit jedem dieser Meter schien es heisser zu werden. Wir landeten bei weit über 40 Grad.
Um auf den Umstand hinzuweisen, dass diese einzigartige Ökosystem vor dem Kollaps steht (der Spiegel sank in den letzten 10 Jahren um 10 Meter) hat jeder Teilnehmer aus seiner Stadt eine Flasche Wasser bis hierin gebracht, um damit dem weiteren absinken wenigstens symbolisch etwas entgegen zu setzen. Dazu fuhren wir mit Kayaks auf das Meer und schütteten es hinein. Dann stand das obligatorische Schweben im salzigen Wasser an. Selbst wir gingen nicht unter, obwohl wir seit Wochen nichts anderes tun als essen, trinken und sitzen.
Frisch geduscht ging es zur Stelle an der Johannes der Täufer wirkte und von dort direkt zur jordanischen Grenze. Bürokratie wurde hier mal anders definiert. 100 Autos mussten eingeführt und dazu alle Fahrzeugpapiere aufgenommen werden. Wir hatten Glück und trafen auf einen (in Zahlen 1!) Mitarbeiter der in gazellenartiger Eleganz und im Takt eines Kolibriflügelschlags mit einem Finger die Tasten bediente. Um die Kräfte geschickt einzuteilen bediente er sich auch nur einer Hand, die andere ruhte stets auf dem Tisch. Der Übertritt dauerte dadurch ganz entspannte 3 Stunden – bei den Temperaturen wie ein Wellness Wochenende.
In der Wartezeit fuhren wir unsere Körper auf Stromsparmodus. So rief Dario Rouven zu „Willst du einen Mangonektar?“ und schmiss die Dose in seine Richtung. Sie flog scheinbar schneller als die Schallwellen denn die Dose kam eher an als die Frage – seitdem hat Rouven einen Cut, den wir fachmännisch versorgten.
Im sensationellen Abendlicht fuhren wir durch die Berge – Unbeschreiblich. Einfach traumhaft.
Es wurde sehr schnell dunkel und die letzten Kilometer suchten wir den Abzweig um das Wüstencamp zu finden. Das gelang nach einer spannenden Fahrt durch das Nichts. Wir waren tatsäschlich mal eines der ersten Teams, genossen die beginnende Abkühlung und das herrliche gereichte lokale Essen welches uns im Beduinenzelt spendiert wurde.
Nun sitzen wir in Amman und fahren gleich wieder mit aufgefüllten Wasser- und Biervorräten zum zweiten Wüstencamp und werdenw ieder berichten sobald wir wieder online sein können.
Bis dahin, bleibt sauber – wir sind es definitiv nicht 😉

Eure Six Camels

Tag Bier – es war Bierfest in Jerusalem

…die Kamele haben ihre Höcker für die Wüste betankt und waren die Teamvollsten. Seht es uns nach, aber die Tasten waren einfach zu klein. Zudem schienen die Biester sich unter den Fingern hinterhältiger weise immer zu bewegen.

Wir werden heute Mittag die jordanische Grenze überqueren und das erste Wüstencamp ansteuern. Vermutlich werden wir nur wenig bis kein Internet haben.

Die Berichte werden also unter Umständen ausbleiben. Wir werden uns trotzdem bemühen.

Stellt Euch vor. Die Kamele sind da wo sie hingehören …

Eure Six Camels

Tag 18 – Hopfen und Malz, wer auch immer, erhalts!

Es wurde die ganze Nacht nicht wirklich kühl. Nur leichte Brisen wehten ab und an durch die Wagen. Nach erfolgreicher Suche nach einer Lokalität für die Männermorgentoilette erschienen in unserem Lager mitten in Tel Aviv 50 arabische Erstklässler. Wie auch in der Türkei trafen wir auf viel leuchtende Augen in Erwartung das neue Schuljahr mit einem der Scout Rucksäcke starten zu können. Vor uns stand Ahmed, ein von der ganzen Situation ein wenig eingeschüchterter Junge mit kurzen Haaren und lebhaften Augen. So wie es uns selbst gestern noch ging war es ihm wohl auch zumute – ist das wahr, was da gerade passiert?

Nach einem starken Kaffee und schwachem Frühstück ging es erneut los um beim Rekordversuch zu helfen, das grösste Mosaik der Welt aus Kronkorken zu erstellen. Nach Vorgaben einer Künstlerin aus Tel Aviv wurden zig tausende Bierverschlüsse farblich sortiert und nach ihren Vorgaben an eine Wand geklebt. Sie dirigierte ein Orchester aus Menschen, war stets überall. Das Ergebnis war wirklich beeindruckend. Wir hatten mit vielen anderen zusammen riesigen Spass den Enthusiasmus dieser Frau zu erleben. So haben wir tatsächlich einen bleibenden Eindruck in dieser tollen Stadt hinterlassen. da es fast an die 40 Grad heranging, diese allerdings auch bei uns. Die Suppe lief aus allen Poren.

Nach einer Abkühlung im Meer gingen wir auf eine weitere Etappe, die uns durch einen Nationalpark, eine Kelterei letztlich zu einer Brauerei führte. Die Aachener Fraktion musste schmunzeln als sie nach mehr als 6000km in einer kleinen israelischen Biermanufaktur belgisches Bier angeboten bekam. Jedes Team übergab zwei Kilo Hopfen aus Deutschland, aus dem wird nun eine Sonderedition gebraut, dessen Verkaufserlöse in ein lokales Kinderhilfsprojekt gehen. Im Vorjahr waren das stolze 4000 Euro.
Hier sei auch mal eine Info von Backstage erlaubt. Ich sitze hier um 23 Uhr mit Stirnlampe bei immer noch 30 Grad, die Ameisen krabbeln die Beine hoch und eine Spinne kreuzte gerade den Bildschirm – upssss just in dem Moment auch ein scheinbar an Prosa interessierter undefinierbarer Käfer. Aus 4 Richtungen kommen dazu 5 verschieden Musikrichtungen. Alles gut, aber eins macht die Sache fast unerträglich – das Bier ist nur unwesentlich kälter als die Lufttemperatur.

Chris baut derweil im Hintergund in Feinmechanikerart die LED Scheinwerfer auf die Kühlerhaube. Heisst er prügelt mit dem Zimmermannshammer Löcher ins Blech. Wie immer mit Erfolg. Dario kocht derweil die Nudeln, die nun gereicht werden.

Macht es gut, wir lesen uns morgen wieder.

Eure Six Camels

Tag 17 – Wieder EINS

Dieser Tag begann für alle six-camels mit einem Lächeln im Gesicht. Dario, Rouven, Jan und Uli fuhren nach einem kurzen Frühstück mit dem Tross zum Flughafen von Adana. Eine eigens für uns gecharterte Maschine brachte uns in einer guten Stunde nach Tel Aviv. Dort direkt in die Bahn und keine 2 Stunden später standen wir vor den Toren des Hafens in Haifa.
Dort hatten Chris und Michi zu sehr früher Stunde begonnen mit den anderen Seemännern alle Autos zu entladen. Das Wiedersehen war ein gutes Gefühl für alle. Das Glück konnten wir irgendwie noch nicht so richtig fassen. Die Vorstellung kurz davor gewesen zu sein, eines der Schiffe heute zurücklassen zu müssen war surreal. Aber genau das mussten wir ja nun auch nicht. 😉
Die beiden erzählten nochmal unter welchen Bedingungen im Rumpf der Fähre gearbeitet worden ist. Teils nur mit Unterhosen bekleidet konnten die Protagonisten gar nicht soviel trinken wie sie ausdampften. Die beiden haben ein Abenteuer im Abenteuer erlebt, von dem sie sicher noch sehr lange erzählen werden. Sowas erlebt man nicht mit All Inclusive.

Wieder EINS bestiegen wir die Autos… uuuund stiegen auch gleich wieder aus. Ein gut trainierter Mann bat uns mit freundlichem, aber bestimmtem Ton auszusteigen, alle Türen zu öffnen und mit zu kommen. Spürhunde durchpflügten unsere Schlaf-, Wohn- und Küchengemächer und sorgten dort für eine weitere Duftvariation. Nach einigen weiteren Formalitäten war es dann irgendwann geschafft und wir rollten los. Auffallend routiniert wurde quasi bei einer Pinkelpause noch kurz die Ventildeckeldichtung gewechselt. Bei der Gelegenheit entdeckten wir noch eine einsame Mutter im Motorraum, der wir zunächst keine Bedeutung schenkten. Warum auch – ist ja bekannt, dass sich einsame Muttern gerne in mollig warmen Gegenden aufhalten.
Eine Stunde später stellte sich heraus, dass es sich keineswegs um eine Wandermutter auf Durchreise handelte. Chris bat per Funk um eine kurze Pause da „etwas im Motorraum laut klappert“. Haube auf, Schreck riesig. Eine grosse Schraube der Lichtmaschine stand soweit vor, dass der Ventilator schon daran schrabbte. Die arme Kleine war halt auf der Suche nach ihrer Mutter. Wie die six camels am Morgen brachten wir auch hier wieder fix zusammen was zusammen gehört und nun sind alle happy.

Jetzt sitzen wir in Tel Aviv. Der erste Eindruck dieser offiziell nur 500tsd Einwohner fassenden Stadt ist grandios. Eine ewig lange Promenade am weissen Sandstrand, stilvolle Häuser, fast schon protzige Hotels, aber vor allem wieder die zahlreichen offenen und neugierigen Menschen. Bei fast jeder Ampel bekamen wir Handzeichen oder wurden während der Rotphase gebeten zu erklären was es mit diesen komischen Kisten auf sich hat. Das alte Hafengelände in dem wir lagern, mutiert seit einiger Zeit zum Hot Spot. Industriecharme, junge Leute, tolle Musik, pralles Leben auf der Strasse. Kein Wunder bei immer noch mehr als 20 Grad um Mitternacht. Wir sind schon gespannt auf morgen, aber für heute ist erstmal Schluss. Eine zufriedene Müdigkeit steckt in den Knochen, der wir heute gerne nachgeben.

Bis Morgen
Eure Six Camels

Tag 16 – Striiiiiiiiike – Er lebt!!!

Ob die Engel, der liebe Gott, Euer Daumen drücken oder was auch immer es war. Heute gegen 18 Uhr kam die Nachricht vom Schiff, dass die Operation erfolgreich verlaufen ist und der Patient sich bester Gesundheit erfreut. Wir haben wieder drei Autos und der Traum kann zu Ende gelebt werden!!
Ihr könnt Euch sicher vorstellen wie erleichtert (und mittlerweile auch voll) der Autor gerade ist.

Erste Bilder die uns erreichten, hätten auch den Vorhof der Hölle darstellen können oder wie Chris schrieb „Hamam ist ein Scheiss dagegen“. Bei übelsten Licht- und Platzverhältnissen und einer Umgebungstemperatur von mehr als 40 Grad haben Chris, Michi und vor allem Gegge vom Team Vito die Kopfdichtung erfolgreich gewechselt und damit den tasächlichen Schaden behoben.

Ich formuliere um – Gegge, seines Zeichens KFZ-Meister, hat sich stundenlang aus reiner Hilfsbereitschaft heraus, in eben diese Hölle begeben, um unseren Willi reparieren. Ohne ihn wäre das niemals gelungen. Gegge, wir hier draussen von den six-camels kennen dich noch nicht, aber wir lieben dich schon jetzt – Danke!! Besser kann man den Gedanken dieser Veranstaltung nicht mit Leben erfüllen. Eine Bierflatrate ist ihm bereits jetzt gewiss.

Mit zum Team gehörte auch die ukrainische Crew, die unsere Jungs mit Essen versorgten und sich im Gegenzug alles an Kippen und Bier angelten, was nicht am Schiffsrumpf festgetackert war. Der Kahn liegt gerade jetzt noch vor dem Hafen von Haifa und wird erst später einlaufen, um nicht für zwei Tage Liegegebühren zahlen zu müssen.

Wenn auch bei diesen tollen Nachrichten zweitrangig soll noch erwähnt sein, dass die Stadt Adana dem ganzen Tross eine wirklich aussergewöhnlichen Tag geschenkt hat. Wir wurden in Polizeieskorte von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten gefahren und bekamen hervorragendes essen in den Pausen. Der Aufwand war schon unheimlich, aber so sind sie halt …
Ihr treuen Leser da draussen seid gewiss – die glücklichen Kamele reiten weiter.

Bis Morgen
Eure Six Camels

 

Tag 15 – Das beste Team der Welt

Heute wird es leider weniger amüsant, dafür etwas persönlicher.

Nach einer guten Nacht zog die Karawane weiter. Wir liessen es ruhig angehen, studierten das Roadbook und freuten uns auf den Tag. Auf der Landstrasse deutete sich schnell am Horizont eine langegezogene Bergkette an, die immer noch mit viel Schnee bedeckt waren. Immerhin fahren wir selbst schon auf einem Plateau welches deutlich über 1000HM liegt.

Wir hielten gerade an, um einige Fotos zu machen als Rouven meinte der Willi sei einfach ausgegangen. Also routiniert Haube auf und als Dario meinte „da liegt ja der Deckel vom Kühlwasserbehälter daneben“ fuhr es mir wie ein Blitz durch Mark und Bein. Beim Routinecheck hatte ich bei Willi Kühlwasser nachschütten wollen, wurde abgelenkt und die Haube schloss sich ohne festen Deckel.

Vorbeifahrende Teams hielten kurz an. Wir winkten durch, da wir davon ausgingen nur Wasser nachkippen zu müssen. Als Team 34 „Die Kolbenfresser“, bestehend aus 6 KFZ-Meistern vorbeikamen fragten wir kurz um Rat. Ihre Diagnose war niederschmetternd – Zylinderkopfdichtung kaputt. Hatte ich die ganze Mission zerbombt mit diesem Fehler? Wir wissen es bis jetzt nicht.

Was wir aber wissen ist, dass diese six-camels die geilste Truppe unter der Sonne sind. Keine Vorwürfe, im Gegenteil. Ein „hätte jedem passieren können“ kam aus allen Kehlen. Nicht eine Sekunde Frust oder der Gedanke an Aufgabe, sondern sofort umschalten auf Lösungssuche.

Wie bestellt kam aus dem nichts ein Abschleppwagen am Ort des Geschehens vorbei. Er hielt an, wir schilderten die Situation die besagte, dass Willi unter allen Umständen um 17:00 Uhr im Fährhafen von Mersin sein muss – 180km entfernt. Auf dem Schiff sollte dann Zeit sein, die Reparatur zu versuchen. Wir wurden handelseinig, Chris stieg mit auf den Bock des Abschleppwagens, ich war immer noch in Schockstarre und legte mich hinten in einen Wagen, da auch sonst kein Platz war. Obwohl dann die Temperaturen erstmalig gut über 30 Grad gingen, begann eine irre Teamleistung. Es wurde telefoniert mit türkischsprechenden Kollegen aus Deutschland zum dolmetschen, das Orgakommittee wurde involviert, andere Teams änderten extra ihre Route um bei der Beschaffung der nötigen Zylinderkopfdichtung zu helfen. Michi und Dario lösten sich aus dem Konvoi um sich nur darum zu kümmern. Orly (Orgakomm.) sorgte ganz kurzfristig dafür, dass Chris und Michi die Einreise nach Israel per Schiff genehmigt wurde.
Alle wollten helfen und waren mit höchster Konzentration dabei. Selbst jetzt, parallel zu diesem Blog, whatsappen wir noch mit den beiden auf hoher See, da ein Werkzeug fehlt, welches in einem der anderen 90 Autos an Bord vermutet wird. Die Nadel im Heuhaufen versuchen wir zu finden, indem wir alle Teams anschreiben…

Wir alle hoffen darauf, dass die beiden Willi wieder fit bekommen. Ich selbst bin einfach stolz mit solchen Freunden unterwegs sein zu können. Danke Jungs!
Die six-camels machen es jetzt wie die kleine Prinzessin, die hingefallen ist. Wir richten unsere Höcker und stehen wieder auf.
Drückt uns die Daumen

Bis Morgen
Eure Six Camels

Tag 14 – Die Kamele haben Wandertag

Der Morgen begann entspannt. Wir schlenderten durch unsere Gastgeberstadt Ürgüp, fanden ein nettes Lokal zum frühstücken und planten den Tag. Erste Etappe war ein Aussichtspunkt in einer unbeschreiblichen Landschaft mit Felsformationen, in die sogar ganze Behausungen gehauen wurden. Wir ahnten noch nicht das wir eine für diese Veranstaltung ungewöhnliche Erfahrung machen würden. Die beste Aussicht hat man bekanntermassen von oben und so begab es sich, dass die Kamele tatsächlich ihre eigenen Füsse nutzen mussten. Ein nach 5600 km im Auto sitzend, gefühlt kilometerlanger Rundweg führte uns in alpine Landschaften. Die Luft wurde schon dünn als wir nach brutalen 20 Minuten den Gipfel erreichten. (Anm.d.Kamels: 2km und 100 Höhenmeter). 😉
Wir wurden für all diese Strapazen mit einem wirklich tollen Ausblick belohnt.
Nach dem Abstieg besuchten wir kurz die „Wandering Otters“, ein anderes Team auf gleicher Wellenlänge, welches wir am Wegesrand lagernd sitzen sahen. Nach einem kurzen Austausch nutzten wir den sandigen Untergrund um späktakulär driftend wieder abzuziehen. Die Hecks der Kisten schleuderten umher, der Staub wirbelte durch die Luft. Wie die Profis fühlten wir uns als wir quietschend den Asphalt wieder unter die Pneus bekamen. Einziger Unterschied zu Profis – die haben bei solchen Aktionen den Kofferraumdeckel zu. Wir hingegen bekamen nach einigen Minuten einen Anruf der Kollegen, die fragten ob wir ein paar Wasserkanister, einen Kulturbeutel und einige Rollen Klopapier vermissen. Die lägen da so überall in der Gegend rum… Wie war das mit den Kamelen?
Auf dem weiteren Weg gönnten wir uns einen leckeren türkischen Kaffee. Als wir wieder los wollten fand Dario einen Hammer in seinem Fussraum, sah keinen direkten Verwendungszweck dafür und schleuderte ihn fröhlich nach hinten ins Fahrzeug. Gekonnt zerschmetterte er dabei eine Bierflasche die auf dem Bett lag. Seitdem brauchen er und Rouven keinen Duftbaum mehr.
Der Rest des Weges war dann heute lockeres abrollen. Schon um 18 Uhr erreichten wir das heutige Nachtlager, leckere Köfte, einige gingen sogar zum Barbier. So sitzen wir nun hier, klönen, sichten Bilder und Videos und bereiten uns auf die morgige Etappe vor. Wir packen einige Sachen zusammen, da Otto, Willi und Kalle morgen auf die Fähre gepackt werden und uns quasi das Heim genommen wird. Stellt euch eine Träne in unseren Augen vor. 😉

Bis Morgen
Eure Six Camels

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Tag 13 – „Zündschloss ist Arsch“ oder aller kaputten Dinge sind drei

Egal was morgen passiert – der Titel wird sich ändern. Versprochen! Aber das Schicksal oder wer auch immer spielt uns gerade ein paar Streiche. Wir holen etwas aus…

Gestern Abend gingen wir noch kurz vor Mitternacht in ein Hamam, welches aus Thermalquellen gespeist wurde und 24h geöffnet hatte. Konstant 42° heißes Wasser lud zur feinsten Körperpflege. Dazu gönnten wir uns neben der ersten Dusche seit 8 Tagen, eine Massage incl. Peeling, verabreicht von einem starken, dicken, behaarten Mann. Neu für jeden von uns, aber extrem angenehm. 4 Bier später fielen wir in einen tiefen Schlaf, der leider nur 5h dauerte, da ja noch ein Besuch beim Oto anstand (Anmerkung des Kamels: Oto=Autowerkstatt).

Ali hatte wie versprochen seine Butze um 8 geöffnet. Schnell waren auch wieder zig Kollegen am Start. Das gemeinsame Fachwissen führte zu der banalen Erkenntnis „der Kühler is dod“. Ersatz wurde schnell beschafft. Das es sich dabei um ein Bauteil für einen seit mehr als 10 Jahren nicht mehr gebauten Renault handelte, besorgte niemanden der Beteiligten ernsthaft. Die Jungs hier sind Toyota um Lichtjahre voraus – nichts ist unmöglich ist hier wohl in die Wiege gelegt. Ein paar Trägerverformungen und Schlauchkürzungen später blubberte das alte Schätzchen wieder zufrieden vor sich hin. Beachtlich war die Rechnung – incl. Material zahlten wir 55 Euro!

Frohen Mutes zogen wir los, streiften den beeindruckenden Tüz Gölü, einen in über 900 Meter gelegenen 60km langen Salzsee. Die nun folgende Schnellstraße machte ihrem Namen alle Ehre – sie wurde schnell öde. Nach 30 Sekunden Beratung beschlossen wir einen 100km langen Umweg, der allerdings tolle Natur und kleinste Strassen versprach. Wir hielten an tollen Aussichtspunkten, ließen die Drohne steigen und genossen tatsächlich immer noch das gemeinsame cruisen. Aaaaallerdings setzt fahren das starten des Automobils voraus, womit wir wieder beim Titel des heutigen Tages sind. Euphorisiert vom gerade gesehenen hüpften wir wie immer in die Autos, der übliche Funkspruch „Wagen 1 ready, Wagen 3 feddisch…“ wurde unterbrochen von „Wagen 2 dod“. Der Zündschlüssel ließ sich beim besten Willen nicht bewegen. Das arretierte Lenkradschloss machte auch ein schleppen unmöglich. So wurden wir zum Spießer und riefen den ADAC an. 30 Minuten später stand Kalle auf dem Abschleppwagen und trotz begonnenem Ramadan fanden wir wieder einen feinen Typen der sich des Problems annahm. Wir gaben ihm dem Freibrief auf Schönheit verzichten zu dürfen, Hauptsache die Kiste läuft. So hatten wir tatsächlich nach 2h ein neues Zündschloss verbaut. Ob es von einem Trecker oder einem Toaster war ist ungewiss, auf jeden Fall flog der Zündfunke wieder. Ok, Scheibenwischer und elektrische Fensterheber funzten nicht mehr, aber ein paar Kompromisse muss man halt eingehen. 😉

Die letzten Kilometer ins tolle Ürgüp waren schnell erledigt. Das Camp ist ganz nett. Wir reparierten noch die letzten Defekte und ob ihr es glaubt oder nicht – Bier und Schnappes schmecken wieder blendend.

Bleibt gesund, wir tuns!

Bis Morgen
Eure Six Camels